MERCEDES 600 - TYPENGESCHICHTE

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Projekt einen großen Mercedes, oberhalb des Mercedes 300 "Adenauer" zu bauen, begann bereits 1956. Er war sozusagen der direkte Nachfolger des Mercedes 770, der noch vor dem Krieg gebaut worden ist. 1959 war der 5,4 Liter V8, der zunächst für das Auto vorgesehen war, serienreif. Man hatte nach mehreren Tests herausgefunden, dass ein V12 kaum Vorteile gegenüber einem V8 hatte. Zuerst sollte das Auto in 3 verschiedenen Radständen geliefert werden, was aber verworfen wurde. Endgültig entschied man sich für den "normalen" Radstand und den Pullman, der später mit 4 sowie 6 Türen geliefert werden sollte. Erst 1963, kurz vor der Vorstellung hatte man den "M100" Motor auf 6,3 Liter Hubraum vergrößert.

Die Vorstellung des 600 war 1963 auf der Internationalen Automobil Ausstellung (IAA in Frankfurt am Main). Am Anfang, d.h. ab den September 1964 war nur die kurze Version des 600 lieferbar, der Pullman folgte 2 Monate später. Ab März 1965 war noch eine 6-türige Variante, die den langen Radstand hatte, lieferbar. Einen Monat später folgte noch das Landaulet auf der Basis des 4-türigen Pullman. Beim Landaulet war das hintere Teil des Fahrzeuges zum Cabriolet umgebaut. Erst deutlich später im Jahr 1971 war es möglich, einen 6-türigen Landaulet zu ordern. Übrigens, der erste Mercedes 600 ging nicht an eine prominente Adresse, sondern an einen amerikanischen Architekten. Er war nämlich der Erste, der einen geordert hatte.

Der Mercedes 600 besaß einen 6,3 Liter großen V8-Motor mit 184 kW/250 PS. Seine Außenlänge mit 5,54 Metern bei knapp 2,5 Tonnen Leergewicht übertraf den "Adenauer" (Mercedes 300) deutlich, der Pullman hatte sogar 6,24 Meter und ein Leergewicht von etwa 2.800 kg. Beide Fahrzeuge wurden wegen ihrem Verbrauch von etwa 25 bis 28 Litern je 100 Kilometer mit einem 112 Liter großen Tank ausgerüstet. Der 600 hatte 1964 56.500 DM gekostet, der Pullman 63.500. Am Ende der Bauzeit im Jahre 1981 stieg der Preis entsprechend auf etwa 157.000 und 180.000 DM, was etwa eine Verdreifachung des Preises in 17 Jahren bedeutete. Übrigens, 1981 hätte man für den Neupreis eines einfachen 600 gleich zwei 500SEL und noch einen 200D kaufen können.

Nebenbei wurden 1965 studienhalber noch 2 Coupés hergestellt. Sie waren mit einem um 22 cm verkürzten Radstand gebaut, wurden allerdings niemals verkauft. Eins von beiden fuhr ziemlich oft der oberste Karosserie-Entwickler Karl Wilfert. Vielleicht ist es das Auto, das in den USA überlebt hat und dort für rätselraten sorgt. Wo das zweite Auto geblieben ist, weiß man nicht. Wahrscheinlich wurde es verschrottet, da es sich um einen Prototyp handelte.

Die Bauzeit für einen 600er betrug 10 Wochen, für den Pullman 18 Wochen und für das Landaulet sogar ein halbes Jahr. Schließlich wurden die meisten Teile des Autos auch handgefertigt. An einem Sechshunderter durfte sowieso nur jemand arbeiten, der mindestens 15 Jahre bei "Daimler geschafft hatte". Der Wagen hatte schon damals eine ordentliche Ausstattung. Gegen Aufpreis waren u.a. eine Minibar, ein Videorecorder samt TV-Gerät, Telefone und ähnlicher Schnick-Schnack lieferbar. Zum Umfang der Ausstattung gehörte u.a. auch eine Beleuchtung, die aus 13 Lichtquellen bestand.

Bis 1971 wurden annähernd doppelt soviele 600 in die USA verkauft, wie am heimischen Markt. Ansonsten gingen viele noch nach Frankreich, Großbritannien, Hongkong sowie die reichen Golfstaaten. Bemerkenswert ist, dass kein einziger Mercedes 600 von den westlichen Präsidenten gefahren worden ist. Wenn eine Staatsmacht einen 600er hatte, so waren das nur die ehemaligen Ostblockstaaten oder sonstige Dritte-Welt-Länder. Zu den populären Inhabern gehörten der ehemalige Präsident Rumäniens Ceaucescu, der Jugoslawische Staatsmann Tito, sowie Mao Tse-tung. Er allein hatte 11 Stück davon. Desweiteren besaßen noch Elvis Presley, John Lennon, Udo Jürgens, Maria Callas, Coco Chanel, Herbert von Karajan, Mireille Matthieu, Aristoteles Onassis, Aga Khan, Fidel Castro, der Schah von Persien, Kaiser Hirohito von Japan, Leonid Breschnew, Papst Paul VI., Ringo Starr, William Holden, Bill Cosby, Jack Nicholson einen.

Insgesamt wurden 2.677 Mercedes 600 gebaut. Davon entfielen 2.190 auf die normalen Limousinen mit dem kurzen Radstand. Es wurden 304 4-türige sowie 124 6-türige Pullman hergestellt. Von den Landaulets waren 47 Stück 4-türig und 12 6-türig, eine echte Rarität also. Nicht dazu gezählt wurden die zwei oben erwähnten Coupés. Von allen je gebauten 600er wurden 44 Stück gepanzert ausgeliefert. Es gab auch Sonderumbauten, z.B. für den Papst. Die Produktion endete erst 1981, nachdem die Stückzahlen verkaufter Autos durch die Ölkrise und rasant steigende Preise in den 70er Jahren immer mehr nachgaben.

 

Mercedes 600 (W 100) - Produktionszahlen im Detail

 

JAHR

1963

1964

1965

1966

1967

1968

1969

1970

1971

1972

1973

1974

1975

1976

1977

1978

1979

1980

1981

LIMOUSINE

2 Stück

99 Stück

345 Stück

293 Stück

138 Stück

184 Stück

279 Stück

198 Stück

186 Stück

172 Stück

64 Stück

24 Stück

25 Stück

33 Stück

36 Stück

28 Stück

36 Stück

33 Stück

15 Stück

PULLMANN

1 Stück

8 Stück

63 Stück

30 Stück

21 Stück

39 Stück

57 Stück

38 Stück

51 Stück

38 Stück

18 Stück

28 Stück

17 Stück

14 Stück

19 Stück

12 Stück

17 Stück

11 Stück

5 Stück

 

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