Manfred "Fredy" Weinhofer,

Elvis & die "Platscher Perle"

(Bad Nauheim, August 1959)

 

Meine Geschichte handelt von Manfred "Fredy" Weinhofer der als 19jähriger Lehrling im August 1959 alles Ersparte zusammenlegte und sich von Österreich aus aufmachte um G.I. Elvis Presley in Bad Nauheim einen Besuch abzustatten. Für mabrosELVISworld kehrt Fredy Weinhofer sozusagen zu den Wurzeln zurück. Besuchte ich doch Fredy am 23. November 2012 in Graz an genau dem Ort wo alles begann. Nämlich im noch immer existierenden Wirtshaus "Roschitz". Heimat des seinerzeitigen von Fredy Weinhofer im Jahre 1958 gegründeten "Internationalen Rock´n´Roll und Hit Club Graz". An dieser Stelle ein großes Dankeschön an meinen lieben Freund Christian Taus der dieses Treffen möglich machte. Aber der Reihe nach:

Fotos - Mabro & Fredy Weinhofer - 23.11.2012, Wirtshaus Roschitz 

Im Frühjahr 1958 brachte die Freundschaft zu einem damaligen 13jährigen Teenager namens Ingrid Fredy erstmals mit ihrem Idol Elvis Presley in Berührung. Gemeinsam stöberte man nach diversen Elvis-Artikeln. Die Auswahl hierzulande war nicht gerade berühmt und so suchte man Unterstützung bei Brieffreunden im Ausland. Worauf in weiterer Folge von Fredy der eingangs erwähnte "Internationale Rock´n´Roll und Hit Club" gegründet wurde. Im Auftrag dieses Clubs sandte Fredy zu Weihnachten 1958 einen in Englisch verfassten Brief an das Hotel Grunewald in Bad Nauheim wo Elvis als G.I. privat logierte. Das Entsetzen war groß als dieser Brief ungeöffnet zurückkam. Fredy gab aber nicht auf probierte es erneut, rief sogar die Hoteldirektion an und ersuchte telefonisch um persönliche Übergabe dieses so wichtigen Briefes. Diesmal klappte es und es traf sogar 2 Tage später ein Eilbrief von Elvis´ Sekretärin Elizabeth McCormick mit Elvis´ Absender bei Fredy ein. Neben einem riesigen Billet (siehe Foto) enthielt der Brief auch noch drei Original-Autogramme. Wobei sich Fredy heute nicht so ganz sicher ist ob sie tatsächlich von Elvis geschrieben wurden. Hier halte ich es auch wie Fredy der da meint: Nur ein vor mir gegebenes Autogramm zählt.

Elvis & Fredy Weinhofer - August 1959

 

Jetzt begann für Fredy – wir schreiben August 1959 - die Planungsphase. Gab es doch im letzten Lehrjahr auch mehr Geld. So wurde eine Bahnkarte gekauft und ein bekanntes Studio beauftragt eine Ehrenurkunde für Elvis anzufertigen. Mit im Gepäck noch eine Flasche Wein ("Platscher Perle") die Fredy selbst zu seinem 19. Geburtstag bekommen hatte. Nach einer mehrstündigen und anstrengenden Reise kam Fredy spät abends am 17. August in Bad Nauheim an. Fast wollte ihn die dortige Jugendherberge nicht aufnehmen – Fredy konnte nämlich einen verlangten Mitgliedsausweis nicht vorlegen – schließlich hatte man aber Erbarmen und er konnte doch noch Quartier nehmen. Am nächsten Morgen beim Frühstück war natürlich Elvis Thema Nummer 1 und Fredy erfuhr dabei dass Elvis nunmehr in einer Privatvilla in der Goethestraße 14 wohnhaft sei. Als Fredy nun das erste Mal in die Goethestraße kam staunte er nicht schlecht. Fand sich doch eine riesige Menschenmenge vor Elvis´ Villa ein. Es schien als ob ganz Europa versammelt wäre. Fans aus Holland, Schweden, England ja sogar ein Australier befand sich unter den Wartenden. Fredy kamen bei all den Leuten Zweifel ob er überhaupt zu einem Autogramm kommen werde. Einer Bekannten aus der Jugendherberge war es schließlich zu verdanken dass Fredy mit ihr durch die Menge bis direkt zu Elvis durchschlüpfte. Jetzt bekam er sein erstes Originalautogramm "von seiner Hand". Elvis widmete sich nun den anderen Fans zu als Fredy aus der Haustür eine Frau traten sah und sich dachte das müsste Elvis´ Sekretärin Elizabeth McCormick (siehe Foto) sein. Und er ging recht in seiner Annahme. Fredy stellte sich als österreichischer "Return To Sender" Briefschreiber vor und fragte höflich nach wegen einer Möglichkeit, Elvis persönlich zu treffen. Elizabeth vereinbarte mit Fredy ein Treffen um 14.00 Uhr des nächsten Tages.  

Elvis & Fredy Weinhofer - August 1959

 

Am nächsten Tag blieb Fredy daher noch Zeit um Bad Nauheim näher zu erkunden. Viele Auslagen der Geschäfte waren mit Elvis-Fotos geschmückt. Natürlich erschien Fredy pünktlich mit der Ehrenurkunde für Elvis und der Flasche "Platscher Perle" bewaffnet in der Goethestraße 14. Noch herrschte Stille rund um Elvis´ Anwesen. Elizabeth erwartete schon Fredy am Gartentor und als dieser sich umdrehte sah er auch schon Elvis. Gekleidet in einem wunderschönen dunkelblauen mit Silberfäden durchzogenen Hemd, dunkelgrauer Hose, Armeekappe und dunkler Sonnenbrille. Jetzt erschienen auch andere Fans. Fredy schritt zur Tat und überreichte Elvis die mitgebrachte Ehrenurkunde mit der Elvis anfangs nicht allzu viel anzufangen wusste. Erst als Fredy diese öffnete und ihm den Urkundentext zeigte rief Elvis: "Wonderful, wonderful"! So entstanden auch die mittlerweilen berühmten Fotos.

Farbfotos - Übergabe der Ehrenurkunde samt "Platscher Perle" an Elvis

Weitere Farbfotos - 19.08.1959

Nachdem Elvis im Getümmel verschwand lud Elizabeth Fredy für den übernächsten Tag zu einer Kaffeejause ein! Fredy nutzte den nächsten Tag für zahlreiche Einkäufe (Elvis-Platten, Poster, Fotos) um für seinen Besuch im Hause Presley gerüstet zu sein. Aber auch für einen Besuch der Kaserne im benachbarten Friedberg. Fredy schoss auch noch ein Foto vor dem Kasernentor.

Ray Barracks - August 1959

 

Wie vereinbart erschien Fredy am Nachmittag des 20. August um 15.30 Uhr in der Goethestraße 14 mit Fotoapparat und einem extra in Frankfurt gekauften Diktiergerät. Elizabeth begrüßte daraufhin den Gast und ersuchte Fredy aber genau diese Gegenstände an der Garderobe abzugeben da dies eben Elvis´ Privatsphäre sei. Bis Elvis eintraf erzählte Elizabeth dass bis zu 5 Postsäcke mit Briefen, Karten und so manch anderen Sachen täglich ankommen. Erwähnte auch noch dass für den gleichen Tag ein Besuch des ältesten Sohnes von König Ibn Saud (damals der reichste Mann der Welt) bevorstand. Danach gabs Kaffee und Kekse welche Oma Minnie Mae selbst gebacken hatte. Elvis erkundigte sich über die österreichische Fanszene und Clubarbeit. Wie es bei Fredy in Graz so aussehe. Auch war Elvis die Stadt Salzburg ein Begriff. Elizabeth fungierte dabei als Dolmetscherin. Wenig später klingelte es an der Haustür und 3 G.I Kameraden (siehe Foto) aus Friedberg kamen zu Besuch. Und was jetzt folgt ist einfach unglaublich. Fredy wurde nämlich Zeuge einer sensationellen Jam-Session mit Gitarren- und Klavierbegleitung! Elvis sagte Fredy gegenüber sogar dass er so eine Jam-Session aufnehmen werde. Fredy ist auch noch erinnerlich dass er den Kameraden das Spiel "Alles was Flügel hat fliegt" zeigte. Die Zeit verging wie im Flug und nachdem die G.I´s gegangen waren drängte auch Elizabeth Fredy zum Aufbruch. Elvis gab Fredy zum Abschied noch die Hand, klopfte ihm auf die Schulter und bedankte sich nochmals für die schöne Urkunde. Rasch unterschrieb er noch die von Fredy mitgebrachten Fotos, Hefte und Schallplattenhüllen und erklärte dass sich aus Sicherheitsgründen während des Besuches von Ibn Sauds Sohn kein Fremder in der Villa aufhalten dürfe.

Seltene Nachtaufnahmen - August 1959

 

Ein sichtlich gut gelaunter Fredy Weinhofer

 

Apropos Ibn Saud. Auch da kommt Fredy nochmals ins Spiel. Der Hintergrund: BRAVO Journalist Thomas Georg Beyl der sich zu dieser Zeit für eine Woche bei Elvis aufhielt um Material für seine Elvis-Story "Mein Tag wird kommen" (siehe Foto) zu sammeln kam Fredy mit seiner Fotoausrüstung gerade recht um die Ankunft von Ibn Sauds Sohn zu dokumentieren. Fredy ist übrigens bei unserem Gespräch in Graz noch erinnerlich dass sich in unmittelbarer Nähe von Elvis´ Villa ein türkischer Zahnarzt befand bei dem Ibn Saud auch in Behandlung war. Fredy erhielt von Beyl sozusagen das exklusive Recht Fotos zu schießen. Fredy müsse nur bei der Heimreise einen Zwischenstopp in München bei der BRAVO-Redaktion einlegen. Beyl werde alles veranlassen. Das klappte auch hervorragend. Fredy wurde am Bahnhof in München bereits erwartet. Danach gings ab zur Redaktion. Filme wurden Fredy abgenommen man zahlte großzügigerweise noch eine Übernachtung im Hotel Europa und das wars dann. Fredy zeigt mir in Graz einen diesbezüglichen Brief der BRAVO-Redaktion vom 28. August 1959 (siehe Foto) wo man erwähnt dass man mit gleicher Post hiemit die Filme an ihn retourniere. Nur angekommen sind sie bei Fredy in Graz nie! Falls zufällig ein Verantwortlicher von BRAVO diese Zeilen liest ein Tipp. Ab ins BRAVO-Archiv des Jahres 1959, denn dort befindet sich noch unveröffentlichtes Fotomaterial von dieser Begebenheit! Aber auch Fredy würde sich freuen endlich seine Fotos zurückzubekommen.

 

Das Eintreffen der hohen Gäste

 festgehalten von Fredy Weinhofer

 

Gott sei Dank haben aber trotzdem über 50 Fotos in der Sammlung von Fredy überlebt. Davon zahlreiche in Farbe was aus damaliger Sicht schlichtweg eine Sensation war. Auch wenn damit später – ohne Fredys Wissen – eifrig Handel betrieben wurde. So kam es schon mal vor dass Fredy einen Elvis-Event besuchte wo seine Fotos natürlich gegen Bares an den Mann gebracht wurden. Oder nichts Böses ahnend Fredy einfach Fans seine Fotos übermittelte diese aber dann die Fotos vielfach reproduzierten und damit regen Handel betrieben. Umso mehr freut es mich dass Fredy, dem mittlerweile einiges aus seiner Sammlung abhanden gekommen ist, zu unserem Treffen in Graz vollgepackt mit kofferweise Unterlagen erschienen ist. Und nicht nur das. Er nahm sogar die Urkundenvorlage für Elvis´ Urkunde mit und eine der mittlerweile längst nicht mehr erhältlichen alten Flasche der "Platscher Perle". Das schrie bei mir förmlich nach einem Nachstellen der Szenerie und so begaben wir uns mit eben dieser Vorlage und der erwähnten Flasche Wein auf geschichtlichen Boden, nämlich auf die Bühne des "Internationalen Rock´n´Roll und Hit Club" im Wirtshaus "Roschitz". Fredy erzählte mir dass er damals leider keine Kopie der Elvis-Urkunde gemacht hat aber diese faktisch ident ist mit der Urkunde die 1960 für Gus Backus angefertigt wurde (siehe Foto). Aber zurück ins Jahr 1959.

Die nachgestellte Szene mit "Platscher Perle" und Urkundenvorlage

 

Fredy fallen bei meinem Interview-Termin in Graz noch einige Geschichten ein. So war Fredy einmal – wenn auch nur kurz - mit Elvis gemeinsam im roten VW Käfer unterwegs. War dabei als Elvis Moped fuhr und zwar ein österreichisches Modell der Marke Puch. Ein Foto von dieser Begebenheit befindet sich sogar im Museum der Firma in Graz. Oder dass Elvis´ Sekretärin einmal erwähnte dass Elvis stundenlang im oberen Geschoß seiner Villa liege und traurig über den Tod seiner Mutter ist. Auch fungierte Fredy als Beschützer von Elvis´ Cadillac (siehe Foto). Fredy sah dass sich Burschen an diesem Wagen zu schaffen machten. Er verscheuchte sie und beobachtete wie die Übeltäter auf der Flucht zahlreiche Fanbriefe verloren die sie zuvor aus dem Wagen entwendet hatten. Vor seiner Abreise am 21. August begab sich Fredy abends ein letztes Mal in die Goethestraße zur Autogrammstunde und nahm auch die oben erwähnten Fanbriefe mit. Er überreichte Elvis bei dieser Gelegenheit Fotos von seiner Heimatstadt Graz und Elizabeth einen Blumenstrauß. Elvis revanchierte sich mit einem Plektron (Gitarrenblättchen) welches Fredy noch heute in Ehren hält. Als er Elvis abschließend noch die Fanbriefe überreichen wollte meinte dieser nur: "Behalt sie einfach zur Erinnerung". Rückblickend erklärt mir Fredy dass Elvis immer freundlich zu den Fans war. Manchmal haben Fans auf einer Wiese in der Nähe übernachtet um Elvis zu sehen. Elvis meinte nur dass dies alles nichts wäre im Vergleich zu Amerika.

Elvis´ VW Käfer - Goethestraße 14 (August 1959) 

Nach der Rückreise und Ankunft in Graz ging kurz danach für Fredy die sprichwörtliche Post ab. Der Grund dafür? Der Reporter Mario Engelsberger der Zeitschrift "Grazer Montag" brachte eine Story mit folgender Überschrift "Platscher Perle für Elvis" aber auch der BRAVO-Artikel brachte enormes Echo. So gingen bei Fredy innerhalb nur einer Woche über 400 Briefe ein. Soviel Post gibt’s mittlerweile natürlich nicht mehr. Fredy hat aber auch heute noch Kontakt zur Elvis-Szene und ist gern gesehener Gast bei diversen Elvis-Veranstaltungen. So auch bei unserem diesjährigen Weihnachtstreffen des "Elvis-Fantreff" in Wien am 9. Dezember 2012.

Fredy Weinhofer zu Gast beim Elvis-Fantreff Wien

 

So pflegt auch er wie Elvis den Charity-Gedanken. Da kann es schon mal vorkommen dass Fredy einfach eines seiner originalen Elvis-Autogramme für die Aktion "Licht ins Dunkel" spendet. Faszinierend auch die weiteren Stationen von Fredy. So erblicke ich bei unserem Treffen in Graz in einer der vielen Mappen hochinteressantes Fotomaterial (u. a. von einem Live-Auftritt von Bill Haley). Angesprochen darauf erzählt mir Fredy. "Ja ich hatte so nebenbei auch eine Pressetätigkeit, war als Adabei auch hinter der Bühne unterwegs und lernte so viele Stars wie Juliette Greco, Mireille Mathieu, Gilbert Becaud, Bill Haley, Daliah Lavi, Udo Jürgens, Rex Gildo, Gus Backus, Vico Torriani, Falco, Tina Turner um nur ein paar zu nennen hautnah kennen." Fredy kommt noch heute ins Schwärmen wenn er an die Zeit zurückdenkt als es in "seinem" Club 2 mal wöchentlich bei den Treffen Live-Musik gab und Gäste wie Udo Jürgens, Gus Backus oder Günther Frank auf der Bühne standen.

Das waren Zeiten:

Live Musik im Club

Clubleiter Fredy am Mikro

Gäste u.a. im Club:

Günther Frank & Udo Jürgens

Gus Backus

 

Schließen möchte ich diesen Artikel mit einem großen Dankeschön an dich Fredy. Nicht nur dafür dass du dir so lange an diesem Freitag, den 23. November 2012 – es wurden schließlich 6 kurzweilige Stunden! – Zeit genommen hast sondern vor allem deinem Einverständnis dass ich diese, deine faszinierende Geschichte abgerundet mit deinen sensationellen Fotos auch hier auf mabrosELVISworld den Elvis-Fans präsentieren darf.

 

Österreichische Briefmarken mit Fotos von Fredy Weinhofer

Ersttag: 16.10.2004

Ersttag: 08.01.2005

Ersttag: 01.12.2005

  

 

Websites:

>> members.chello.at/reinhards_jailhouse_rock.cafe

(liebevoll gestaltete Homepage über Fredy Weinhofer von seinem Sohn)

>> www.das-wirtshaus.at

(Homepage Wirtshaus Roschitz mit Geschichte des Lokals und des Clubs)


 


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