DIE GESCHICHTE DER MUSIKKASSETTE

 

Mein erstes Kassettentonbandgerät war ein "Real Combiphon CS-404 das aber schon nach kurzer Zeit die Kassetten mehr "gefressen" als gespielt hat. Der andauernde Bandsalat war unerträglich. Es folgte ein Eumig Metropolitan CCD und danach ein Pioneer CT-443.

Mein erstes Kassettentonbandgerät - REAL Combiphon CS-404

 

Geschichte

Die Compact Cassette (CC), umgangssprachlich auch Musikkassette, MusiCassette (MC) oder einfach Kassette bzw. Tape genannt, ist ein elektro-magnetischer Tonträger.

Vor der Kassette gab es Tonbandgeräte. Sie waren teuer und kompliziert zu bedienen, weshalb sie meistens im Studio oder Rundfunk eingesetzt wurden. Nur wenige Privatanwender konnten sich ein Tonbandgerät leisten, da der Preis in der Regel zwischen 700 und 1500 DM (358 und 767 €) lag, was für damalige Verhältnisse ein stattlicher Preis war. Dies änderte sich, als der niederländische Konzern Philips die Kompakt-Audiokassette und das dazugehörige Gerät entwickelte und am 28. August 1963 auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin vorstellte. Es kostete 299 DM (153 €) und konnte mit Batterien und an der Steckdose betrieben werden.

Das erste Kassettentonbandgerät: Philips EL 3300

 

Siegeszug

 

Die Kassette war ursprünglich nur als Diktierband gedacht, wurde aber sehr schnell ein Medium, um Musik zu speichern, zu überspielen oder weiterzugeben. Insbesondere Jugendliche waren von der Möglichkeit auf billige und einfache Art mit Hilfe des mitgelieferten Mikrofons ihre Lieblingshits aus dem Radio aufnehmen zu können begeistert. Schon bald gab es Kombigeräte mit Radio, später auch in Stereo. Ende der 60er Jahre gab es dann Autoradios mit Kassettenabspielmöglichkeit. 1979 kam der Walkman von Sony heraus. Er revolutionierte die Hörgewohnheiten: Endlich war es möglich auch unterwegs seine Lieblingsmusik zu hören.

 

 

Datenspeicherung

Ab den späten 1970er Jahren wurde die Kassette, da billig und massenproduziert, auch zur Speicherung von Computerdaten bei Heimcomputern benutzt, z.B. für den Commodore PET und den Tandy TRS 80 (siehe auch Datasette). Mit dem Siegeszug der schnelleren und bequemeren Disketten und Festplatten auch im Heimbereich ging die Ära dieser Anwendung jedoch ab den späten 1980er Jahren allmählich zu Ende.

 

Weiterentwicklung

Für die magnetische Speicherung auf dem Band wurde zunächst Ferrit (Fe2O3) verwendet (Kassetten-Typ I). Später wurden auch Beschichtungen mit Chromdioxid (CrO2, Typ II), Eisen-Chrom (FeCr, Typ III) und elementar metallischen Partikeln ("Metal", Typ IV) angeboten. Durch symmetrische Einkerbungen auf der oberen Stirnseite der Compact Cassette sind die Bandsorten für die Aufnahme- und Abspielgeräte automatisch unterscheidbar (Ferrit (I): keine Einkerbung; CrO (II): zwei; FeCr (III): ?; Metal (IV): vier Einkerbungen). Kassetten des Typ III (Eisen-Chrom (FeCr), IEC III) verschwanden sehr schnell wieder vom Markt und sind heute praktisch nicht mehr erhältlich.

Die Unterschiede der Bandsorten liegen in deren Magnetisierbarkeit begründet: Während Ferrit-Beschichtungen bereits bei relativ geringer magnetischer Feldstärke (Amplitude bzw. Lautstärke) voll magnetisiert sind, können Metal-Beschichtungen auch stärkere magnetische Feldstärken noch unterscheiden, wodurch es möglich ist, Aufnahmen höher (lauter) auszusteuern, was den Rauschabstand erhöht: Beim Abspielen höher ausgesteuerter Aufnahmen kann man den Lautstärkeregler leiser stellen bei unveränderter Abspiellautstärke im Vergleich zu niedrig ausgesteuerten Aufnahmen; während also die Lautstärke des Nutzsignals (z. B. Musik) gleich geblieben ist, werden Band- und Geräterauschen heruntergeregelt und somit reduziert.

Tonband-Freaks stellten die Behauptung auf, dass die Musik auf Ferritbändern "wärmer" klänge. Typ IV-Kassetten lassen sich höher aussteuern als Typ II, haben allerdings einen etwas rauheren Klang, während Typ II-Kassetten feiner klingen (sollen).

Die Magnetisierbarkeit ferromagnetischer Substanzen ist von ihrem Vorzustand abhängig (Hysterese): ein zuvor süd-magnetisierter und nun neutraler Partikel ist empfindlicher auf nord-Magnetisierung als einer, der zuvor bereits nord-magnetisiert war. Um die Partikel für nord- und süd-Magnetisierungen gleichempfindlich zu halten wird das Band oft durch ein magnetisches Wechselfeld abnehmender Amplitude vormagnetisiert (Bias). Höherwertige Geräte messen die tatsächlichen Bandeigenschaften durch Testaufnahmen (teilweise automatisch) ein.

Das Problem des Rauschens bei der Wiedergabe suchte man durch Rauschunterdrückungsverfahren zu beheben. Das bekannteste Verfahren ist sicher das Dolby-Verfahren.

Die Weiterentwicklung der Kassette wurde mit der Einführung des Digital Audio Tapes (DAT), der MiniDisc (MD) und der Compact Disc (CD) weitgehend gestoppt. Diese neuen digitalen Medien ermöglichen die verlustfreie Kopie von Musik oder Daten. Vor allem aber entfiel das Warten beim Vor- und Zurückspulen und einzelne Titel ließen sich nun direkt anwählen. Von Philips wurde Anfang der 1990er Jahre die mit der MC abwärtskompatible digitale Compact Cassette DCC als Konkurrenz zu Sonys MD vorgestellt. Während sich die MD langsam halbwegs erfolgreich entwickelte, war die DCC für Philips ein völliger Misserfolg und wurde nach wenigen Jahren eingestellt.

 

Aufbau

Eine Kassette besteht aus einem Magnetband in einem Kunststoff-, selten auch Keramikgehäuse, auf dem vier Tonspuren gespeichert werden können. Damit können zwei Stereo-Spuren, je eine auf jeder Seite der Kassette, gespeichert werden. Das Band ist 3,175 mm breit und bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von 47,625 mm/s. Die ersten kommerziellen (bespielten) Kassetten wurden 1965 verkauft, der Stereoton kam 1967. Die Bandlänge wird in Gesamtminuten Spielzeit berechnet, die am meisten verbreiteten Formate sind C60 (30 min Spielzeit pro Seite), C90 (45 min/Seite) und C120 (60 min/Seite) -- letztere sind aus Platzmangel im Gehäuse dünner und damit empfindlicher auf Zugbelastung und Selbstmagnetisierung der Bandlagen auf der Wickelspule. Kassetten haben in der Regel eine geringfügig längere tatsächliche Laufzeit als angegeben.

 

Aktuelle Situation

Während zu Kassetten-Hochzeiten Mitte der 80er Jahre weltweit jährlich 900 Millionen Stück verkauft wurden, hat der einst so hippe Tonträger 2004 seinen absoluten Tiefpunkt erreicht. Auch wenn in unseren Breitengraden Kassette und Walkman längst von CDs, MP3s und digitalen Musikplayern überholt wurden, bleibt das Format anderswo weiterhin Standard.

In der Türkei werden nach wie vor etwa 88 Millionen Musikkassetten im Jahr verkauft, in Indien sind es 80 Millionen. In diesen Ländern wird immer noch die Hälfte der Musikumsätze mit Tapes gemacht, in Saudi-Arabien sind es noch 70 Prozent.

Doch nachdem die größte Magnetbandproduktion in den USA vor kurzem eingestellt wurde, wird nun befürchtet, dass es künftig trotz Nachfrage Engpässe geben könnte.

Als Vermächtnis bleiben aber Begriffe wie "Play" und "Fast Forward", die unvermeidlich mit den Tapes in Verbindung gebracht werden.
 

MC goes USB

 

Was mich persönlich freut ist dass man die gute alte MC auch im PC-Zeitalter nicht vergessen hat. Immer mehr Retroprodukte erfreuen den Nostalgiker. MC goes USB

 

 

 

 

 

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