Lincoln Continental Mark II - Brief History

 

Die Bezeichnung Continental wurde erstmals 1940 für eine Ausstattungsvariante des Lincoln Zephyr verwendet. Der Wagen wurde 1940 als Coupe und Cabriolet gefertigt. Obwohl der Wagen von Sammlern gerne als Mark I bezeichnet wird, kam die Bezeichnung Mark erst mit dem Erscheinen des Mark II auf. Die Bezeichnung des Wagens lautete einfach Lincoln Continental für beide Karosserievarianten.

Lincoln Zephyr

Lincoln Mark Series:

Unter der Bezeichnung Lincoln Mark Series wird eine Reihe exklusiver Luxusfahrzeuge zusammengefasst, die der amerikanische Autohersteller Ford in der Zeit von 1956 bis 1960 und 1969 bis 1998 anbot. Die Fahrzeuge waren in der Modellhierarchie jeweils oberhalb der regulären Lincoln-Modelle angesiedelt und waren zumeist die teuersten Personenwagen der Ford Motor Company. Die Fahrzeuge der Mark Series waren regelmäßig Coupes, nur in einzelnen Modelljahren waren alternativ auch Limousinen und Cabriolets lieferbar. In den USA gelten die Modelle der Mark Series als die Verkörperung des amerikanischen Luxuscoupes. Die Produktion der letzten Coupes endete im Modelljahr 1998, nachdem die Nachfrage erheblich gesunken war.

Besonderes Gestaltungsmerkmal aller Mark-Modelle ist die große Auswölbung des Kofferraumdeckels (siehe Foto) durch die der Eindruck erweckt wird, als befände sich darunter ein stehend montiertes Reserverad. Dies war eine Hommage an die erste Serie welche tatsächlich noch ein Reserverad in einer Metallhülle am Heck trug was dann bei keinem späteren Modell mehr der Fall war. Die markenprägende Wirkung war jedoch so stark, dass Umbausätze anderer Automobilhersteller, welche die tatsächliche Montage eines Reserverades hinter oder auf den Kofferaumdeckel erlaubten, als "Continental-Kit" bezeichnet wurden.

Die Wagen der Mark Series wurden von Ford zumeist nicht als Lincoln bezeichnet, obwohl sie überwiegend von der Lincoln-Mercury Division hergestellt wurden. Als Marken- und Modellbezeichnung führen sie bis in die 1980er Jahre hinein allein den Begriff Continental, ergänzt um einen in römischen Ziffern geschriebenen Zusatz (Mark II bis Mark VIII). Die Entscheidung, die Mark-Coupes als Continental und nicht als Lincoln zu vermarkten hat ihren Ursprung in der Continental Division, einer Tochter der Ford Motor Company, die zwischen 1955 und 1960 existierte und den ersten Nachkriegs-Mark produzierte. An diese Tradition sollten alle späteren Modelle anknüpfen, auch wenn die Continental Division bereits 1960 von Lincoln übernommen worden war und in der Unternehmensstruktur nicht mehr eigenständig in Erscheinung trat. In der Literatur werden dementsprechend üblicherweise nur die Modelle der Jahrgänge 1956 bis 1960 als Continentals aufgeführt, während die neue, 1969 aufgelegte Mark-Series den Lincoln zugeordnet wird.

Lincoln Continental Mark II:

Der Entschluss einen neuen Continental zu bauen fiel 1951 auf Empfehlung einer von Henry Ford II eingesetzten Planungsgruppe. Verantwortlich für das Continental-Projekt war die Special Products Division unter William Clay Ford, dem jüngeren Bruder von Konzernchef Henry Ford II. Per 1. Juli 1952 wurde die Special Products Division zur Continental Division und damit eine eigenständige Konzernmarke innerhalb der Ford Motor Company. Ihre einzige Aufgabe war es Luxusfahrzeuge in einem exklusiven Marktsegment oberhalb von Lincoln, Cadillac und Imperial anzubieten. Sie sollten in der Tradition des 1948 eingestellten Lincoln Zephyr Continental stehen. Um die Tradition zu verdeutlichen sollte das erste Auto der neuen Marke Continental Mark II heißen.

Factory Fotos

Die Entwicklung des Continental begann 1952, ein erstes, sehr seriennahes Tonmodell (siehe Foto) wurde im April oder Mai 1953 fertig. Ende 1955 begann die Produktion. Nach zwei weiteren Jahren wurde die Produktion des Coupes wieder eingestellt. Der Continental Mark II erhielt den Werks-Code 60-A und die Bezeichnung Sports Coupe. Er war ein - verglichen mit den Konkurrenzprodukten seiner Zeit - schlicht gestaltetes Coupe, das eine exklusive Optik mit eigenständiger Technik verband. Das äußere Design des Wagens entstand im eigenen Hause. Designer von Fords Special Products Division unter John Reinhart entwarfen die Karosserie. Beratend wirkte auch Gordon Buehrig mit, der in den 1930er Jahren einige Aufsehen erregende Karosserien für Duesenberg entworfen hatte.

Der Mark II hatte eine Pontonkarosserie mit langem Radstand. Die Motorhaube war lang, die Fahrgastzelle kompakt geschnitten. Anstelle von Heckflügeln trug das Auto eine klassische Heckpartie. Besonderes Merkmal war ein gewölbter Kofferraumdeckel hinter dem ein Reserverad stand. Diese Anordnung war elegant aber unpraktisch weil der Zugang zum Kofferraum erschwert wurde. Das schlichte, gleichwohl ausdrucksstarke Design überzeugte sowohl in den USA als auch in Europa. Der Entwurf wurde bald nach der Präsentation des Mark II als ein Meilenstein des Automobildesigns gewertet. Das Interesse der Öffentlichkeit wurde geschickt auf das neue Spitzenprodukt aus dem Hause Ford gelenkt. Continental der ersten Generation wurden gezielt zur Imageförderung in Filmen und Serien eingesetzt (Product placement).

Automobilsalon Paris - Oktober 1955

Sein Debüt erlebte der Continental Mark II am Pariser Automobilsalon im Oktober 1955. Im ersten Modelljahr wurde er zu einem Preis von $ 9.695,-- angeboten. Damit war er das teuerste Serienfahrzeug aus amerikanischer Produktion und etwa ebenso kostspielig wie ein Rolls Royce Silver Dawn. Bereits im November 1955, einen Monat nach Produktionsstart, vermeldete die Presse eine sehr gute Marktaufnahme obwohl die Produktplaner zu wenig berücksichtigt hatten, dass der erste Continental mit rund $ 2.700,-- auch vor dem Krieg markant preiswerter gewesen war und daher die Zielgruppe nicht identisch war mit jener des Mark II. Eine frühe Analyse ergab, dass der typische Käufer ein 51-jähriger Geschäftsmann mit Familie und zwei Kindern war, $ 30.000,-- im Jahr verdiente, ein Haus im Wert von über $ 50.000,-- besaß und Mitglied im lokalen Country Club war. Continental schrieb vorab 50.000 potentielle Kunden mit einem geschätzten Einkommen über $ 100.000,-- an. Folgebriefe stellten den Kontakt zum nächsten Händler her und ermöglichten eine Besichtigung. Die Kampagne funktionierte nicht. Das Einkommen allein ließ nicht automatisch auch auf ein Interesse am Mark II schließen.

Chicago Auto Show - Jänner 1956

 

Continental Mark II - Prospekte

Dennoch war der Verkaufsstart bemerkenswert. Die Kunden standen anfangs praktisch Schlange um einen Continental Mark II zu erwerben. Unter ihnen auch - neben Elvis Presley - berühmte Persönlichkeiten wie: Frank Sinatra, Stewart Granger, Louis Prima, Conway Twitty, Cecil. B. DeMille, Jack M. Warner, Nelson Rockefeller, Präsident Dwight D. Eisenhower, der Schah von Persien und William Harrah. So meldete die Vertretung in Cleveland 67 Kunden auf der Warteliste. Das lag teilweise auch am niedrigen Ausstoß von 13 Fahrzeugen täglich im November 1955. Es kam vor, dass ein Verkäufer einem Kunden den Verkauf verweigerte weil dieser über den Preis verhandeln wollte und die Niederlassung in Houston (Texas) verkaufte ihr Kontingent von acht Fahrzeugen um $ 1.000,-- über dem Listenpreis. Leider hielt der Hype nur kurze Zeit an. Von den 1.307 verkauften Fahrzeugen im Modelljahr 1956 wurden 1.251 zwischen Oktober und Dezember 1955 verkauft, danach fiel der Absatz rasant zusammen. Insgesamt war der Continental Mark II kein wirtschaftlicher Erfolg. 1956 entstanden 1.325 Exemplare. 1957 nur noch 444. Das lag sicher vor allem am extrem hohen Verkaufspreis aber auch daran, dass das Marketing nicht funktionierte und die Continental Division nicht schnell genug ein Image aufbauen konnte das dem neuen Auto entsprach. Ein Ford-Manager berichtete Jahre später, dass die Ford Motor Company trotz des hohen Verkaufspreises mit jedem einzelnen Mark II Verlust in Höhe von etwa $ 1.000,-- machte.

Ford Family - 1956

 

Technische Daten: 6.0 Liter V8 Motor, 285 PS (1956), 300 PS (1957), Höchstdrehzahl: 4.600 U/min, Turbo Drive 3-speed Automatic, Länge: 5.594 mm, Breite: 1.969 mm, Höhe: 1.430 mm, Radstand: 3.200 mm, Gewicht: 2.300 kg, Höchstgeschwindigkeit: 185 km/h, 0-100 km/h: 9 Sekunden, Verbrauch: 28 Liter/100 km

Produktionszahlen: 1.769 Coupes und 2 Cabriolets

Das Chassis des Mark 2 wurde übrigens auch für das berühmte Lincoln Futura Concept Car verwendet welches als Basis für George Barris´ legendäres Batmobile diente. Apropos George Barris. Auch er schuf 1956 seine eigene Version eines Lincoln Continental Mark II.

George Barris und seine Interpretation zum Thema Mark II

 

Der Lincoln Continental Mark II fand aber auch in der Hot Rod Szene Beachtung. Entsprechende Fotos möchte ich euch an dieser Stelle nicht vorenthalten.

Fotos - Continental Mark II Hot Rods

 

 


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