05.04. - 12.11.2017, Jüdisches Museum Wien

 

Das Jüdische Museum Wien, Dorotheergasse 11, Palais Eskeles ist noch bis 12. November 2017 Austragungsort der außergewöhnlichen Ausstellung "Trude & Elvis". Sie erzählt die beeindruckende aber auch bedrückende und berührende Geschichte von Trude Forsher, die 1920 in einer jüdischen Familie in Wien zur Welt kam, dem Nationalsozialismus entfloh und in den 1950er Jahren einen Job bekam, von dem Millionen junger Frauen träumten: Sie wurde die Sekretärin von Elvis Presley. Der Schreiber dieser Zeilen hatte bereits im Vorfeld Gelegenheit die Exponate dieser Ausstellung zu begutachten - übrigens vielen Dank an dieser Stelle an meinen lieben Freund Christian Ettenauer für das Herstellen des ersten Kontaktes. Dank des Kurators dieser Ausstellung Dr. Marcus Patka hatte ich weiters die Möglichkeit an der Pressekonferenz, Ausstellungseröffnung und Weltpremiere, der in diesem Zusammenhang vom ORF koproduzierten Dokumentation von Kurt Langbein "Elvis und das Mädchen aus Wien", teilzunehmen. Aber der Reihe nach:  

Fotos Vorabbesichtigung - 13.03.2017, 16.30 Uhr

Trude Forsher und Elvis 1956

Fotos © Copyright James Forsher Estate

Im August 1938 entkam Trude Forsher dem NS-Terror, indem ihr die Flucht über London nach New York gelang. Von dort ging es weiter nach Hollywood. Entfernte Verwandte waren die ebenfalls aus Wien stammenden Musikproduzenten Jean und Julian Aberbach bei deren Verlag Hill and Range auch etliche Elvis-Komponisten unter Vertrag standen.

Trude Forsher at work - Foto © Copyright James Forsher Estate

Nach ihrer Ankunft in Kalifornien war Trude Forsher wie elektrisiert von dieser neuen Welt. Hollywood war um die Ecke und startete zu dieser Zeit gerade ins TV-Zeitalter. Ab 1953, das Jahr in dem auch Sohn James geboren wurde, hatte Trude bereits Auftritte in diversen TV-Shows. Das dabei verdiente Geld investierte sie in einen Journalismus-Kurs an der University of California. Auf Vermittlung von Jean und Julian Aberbach interviewte Trude im Juni 1956 Elvis Presley, den sie zuvor übrigens gar nicht kannte! Im August 1956 engagierte Elvis´ Manager Colonel Parker Trude als seine Privatsekretärin in Hollywood. Elvis nannte Trude übrigens "Trudie Fruity" nach seinem Song "Tutti Frutti". Trude Forsher bleibt 5 Jahre Colonel Parker´s Sekretärin und betreute in den jeweiligen Hollywood-Büros folgende Elvis-Filme: Love Me Tender, Loving You, Jailhouse Rock, King Creole, G. I. Blues und Flaming Star. Während Elvis´ Armee bedingter Abwesenheit war sie übrigens persönliche Assistentin von Nick Adams. Der aufstrebende Schauspieler war ein enger Freund von Elvis und spielte unter anderem an der Seite von James Dean im Film Rebel Without A Cause.

Byron Raphael, Trude und Colonel Tom Parker

Foto © Copyright James Forsher Estate

Lunch während den Dreharbeiten zu King Creole - Colonel Parker, Elvis, Trude (rechts vorne)

Foto © Copyright James Forsher Estate

 

Elvis, Marie und Tom Parker, Hal B. Wallis, Trude Forsher - während der Dreharbeiten zu G.I. Blues 1960 - Foto © Copyright James Forsher Estate

Elvis und Trude Forsher während der Dreharbeiten zu Flaming Star 1960

Foto © Copyright James Forsher Estate

Im November 1960 ließ sich Trude von ihrem Mann Bruno scheiden. Als Folge wurde Trude entlassen. Bei der damaligen Doppelmoral der Gesellschaft bedeutete Ehescheidung einen Skandal, mit dem der erfolgreiche Manager Colonel Parker sich und sein Produkt nicht belasten wollte. Anfang 1961 stand Trude Forsher ohne Mann und ohne Job da, doch es gab Kollegen in Hollywood, die ihr Talent und ihre Arbeitskraft erkannt hatten. Einer von ihnen war Adolph Zukor II, der Enkelsohn des legendenumwobenen Gründers von Paramount Pictures. Gemeinsam gründeten sie die Firma Zukor Forsher Productions, die TV-Shows produzierte. Paramount besaß mit dem Channel 5 KTLA einen eigenen TV-Sender, der ständig beliefert werden musste. Trude war Anfang der 1960er Jahre in Hollywood weit und breit die einzige Frau, die als Produzentin arbeitete. Als der Sender KTLA 1965 verkauft wurde, war es auch mit dieser Episode ihres Lebens vorbei.

Colonel Tom Parker hält Hof in seinem Büro. Hinter ihm ein Transparent seiner "Snowmens League" 1960 Foto © Copyright James Forsher Estate

Trude und James Forsher, Colonel Tom Parker im Innenhof der Aberbach-Villa

Foto © Copyright James Forsher Estate

Adolph Zukor II. und Trude bei der Bar Mitzwa von James Forsher 1967

Foto © Copyright James Forsher Estate

Sie fand schließlich einen Job bei 20th Century Fox, wo sie erneut an TV-Shows wie Batman und Peyton Place arbeitete. 1968 kehrte sie Hollywood den Rücken zu und fand ihr neues Betätigungsfeld in Form der Leo Baeck Synagoge in Los Angeles, wo sie als Sektretärin für den bedeutenden Reformrabbiner Leonard Beerman arbeitete. 1974 ging Trude Forsher in Pension, nur um noch eine weitere Karriere anzuhängen. Zusammen mit ihrer Freundin Marian P. Winston publizierte sie eine landesweit beachtete Studie, die sich damit befasste wie viele Millionen Dollar die Versicherung zahlen musste, nur weil geschiedene Väter sich weigerten, ihren Ex-Frauen die den gemeinsamen Kindern zustehenden Alimente auszubezahlen. Diese Studie öffnete die Türen des Rathauses von Los Angeles. Für viele Jahre hatte Trude hier eine Beratungsfunktion für die Human Relations Commission, die direkt dem Bürgermeister unterstand. Dies war von 1973 bis 1993 Tom Bradley, der Trude für ihre umfangreichen sozialen Tätigkeiten eine Ehrenurkunde überreichte.

Trude Forsher mit Bürgermeister Tom Bradley nach der Übernahme ihrer Auszeichnung 1981

Foto © Copyright James Forsher Estate

Zudem war Trude Forsher im Vorstand des "Haven House" vertreten, das Frauen und ihren Kindern Schutz gewährte, die Opfer häuslicher Gewalt geworden waren. Weitere ehrenamtliche Tätigkeiten waren der Vorsitz des "Salute to Volunteers"-Programms und ein Platz im Ehrenkomitee anlässlich der Olympischen Spiele in Los Angeles 1984. Selbstverständlich verfasste die leidenschaftliche Autorin auch zahlreiche Artikel zu sozialen Frauenthemen für diverse Zeitungen. Am 20. Dezember 2000 stirbt Trude Forsher in Los Angeles.   

Pressekonferenz - 04.04.2017, 10.30 Uhr 

Bei der Pressekonferenz anwesend waren die Direktorin des Jüdischen Museums Wien Dr. Danielle Spera, der Kurator der Ausstellung Dr. Marcus Patka sowie der Sohn Trude Forshers´s, James Forsher, der Teile ihres Nachlasses für diese Ausstellung zur Verfügung stellte. Gesprächsthema war u.a. das Herstellen des Kontaktes zwischen James und dem Jüdischen Museum, die Ausstellungsgegenstände und das jüdische Umfeld von Elvis Presley; weiters, dass Trude Forsher auch nach der Entlassung nur Positives über Colonel Parker zu berichten wusste. Ich hatte im Anschluss jedenfalls Gelegenheit mit James zu sprechen. Er erzählte mir, dass er mit seiner Mutter bei Elvis´ legendärem 68´ TV-Special - übrigens sehr zum Missfallen des Colonels - im Publikum saß und dass er in diesem Jahr noch einen Event in Wien plane. MabrosELVISworld wird euch auch diesbezüglich auf dem Laufenden halten. Nach der Pressekonferenz bestand die Möglichkeit die Ausstellung in Augenschein zu nehmen. 

Fotos Pressekonferenz - 04.04.2017, 10.30 Uhr

Fotos Pressebesichtigung - 04.04.2017, im Anschluss an die Pressekonferenz

 

Ausstellungseröffnung - 04.04.2017, 19.00 Uhr 

Die Begrüßung im, bis auf den letzten Platz gefüllten Saal, erfolgte durch die Direktorin Dr. Danielle Spera. Danach gab es eine perfekt umgesetzte Doppelconference zwischen Dr. Danielle Spera und dem Kurator der Ausstellung Dr. Marcus Patka zum Thema Biografie der Familie Forsher und den damit in Zusammenhang stehenden Ausstellungsstücken. Es folgten Grußworte von James Forsher und zum Abschluss gab Wien Holding Geschäftsführer Peter Hanke bekannt, dass 2015 ein Rekordjahr für das Jüdische Museum Wien mit 118.000 Besuchern war und dass auch im Vorjahr über 100.000 Besucher verzeichnet werden konnten. Abgerundet wurde die Ausstellungseröffnung durch Ron Glaser, der zunächst 2 Elvis-Lieder vortrug. Da sich das Publikum bereits beim 2. Titel Muss I denn zum Städtele hinaus (Wooden Heart) recht sangesfreudig zeigte, gabs noch eine Zugabe: den Titel (You´re The) Devil In Disguise. Ein, wie sich zeigte, bestens gewählter Song. Jetzt gabs beim Publikum kein Halten mehr. Es wurde begeistert mitgesungen. Im Anschluss daran gab es die Möglichkeit die Ausstellung "Trude & Elvis" zu besuchen.

Fotos Ausstellungseröffnung - 04.04.2017, 19.00 Uhr

 

ORF Einladung - 05.04.2017, 19.00 Uhr 

"Elvis und das Mädchen aus Wien" - Ein Film von Kurt Langbein

Am 05.04.2017 folgte ich der Einladung des ORF ins Jüdische Museum Wien. Anlass war die Weltpremiere des Dokumentarfilms "Elvis und das Mädchen aus Wien", einer Produktion von Langbein & Partner in Koproduktion mit ORF und dem Medienservice des Bundesministeriums für Bildung, gefördert von Fernsehfonds Austria, Filmfonds Wien und VAM. Die 60-minütige Dokumentation besticht durch einen originellen Handlungsfaden (James Forsher unterwegs mit Koffer, in dem er einen alten TV-Apparat mitführt und dabei die wichtigsten Schauplätze seiner Mutter besucht). Er zeigt eindrucksvoll den außerordentlichen Werdegang von Trude Forsher. Unterstützt durch zeitgeschichtliches Material, private Filme aus den 50er Jahren, bisher unveröffentlichtes Fotomaterial aus dem Nachlass von Trude Forsher sowie durch Interviews von Zeitzeugen wie D. J. Fontana und Byron Raphael (persönlicher Assistent von Trude), gelingt es dieser kurzweiligen Dokumentation uns in die außergewöhnliche Geschichte dieser Frau eintauchen zu  lassen: einer Frau, die im Alter von 18 Jahren den Bedrohungen durch die Nationalsozialisten gerade noch entkam um später Karriere in Hollywood zu machen. Oder mit anderen Worten: Ich zitiere den Pressetext: "Es war wie im Film. Da die kleine Frau, die Schriftstellerin werden wollte, und dort der größte PR-Mann von Hollywood und dann auch noch Elvis, der King. Und ich hatte das Privileg, dabei zu sein", erzählte Trude Forsher bei ihrem letzten Interview kurz vor ihrem Tod im Jahr 2000. Der ORF strahlt diese Dokumentation anlässlich des 40. Todestages von Elvis Presley (16. August 2017) im Rahmen des "kulturMontag" am 14. August um 22.30 Uhr in ORF 2 aus.

Filmstill - James Forsher und Marcus Patka - © Copyright Langbein & Partner 2016

Ich hatte nach der Filmpremiere noch Gelegenheit mit dem Regisseur und Produzenten Kurt Langbein zu sprechen. Er erzählte mir u.a. wie Elvis Presley Enterprises auf seine Anfrage betreffend dieser Dokumentation reagierte; weiters über die Umsetzung des oben beschriebenen Handlungsfadens und dass dieses Projekt eine Zeitspanne von einem Jahr beanspruchte.

Fotos Filmpremiere "Elvis und das Mädchen aus Wien" - 05.04.2017, 19.00 Uhr

Schließen möchte ich mit einem großen Dankeschön an Dr. Marcus Patka, dem Kurator dieser Ausstellung, der nicht nur Verständnis für meine Anliegen im Vorfeld hatte, sondern mich auch gleich zu allen im Zusammenhang stehenden Veranstaltungen einlud. Und so wie es scheint ist diese Zusammenarbeit noch nicht beendet. Das ist dann aber eine andere Geschichte. Ich kann diese kleine aber feine Ausstellung und auch das Buch zur Ausstellung nur wärmstens empfehlen. 

Buch zur Ausstellung

 

>> Ausstellung "Trude & Elvis" Wien - Memphis - Hollywood

05.04.2017 - 12. November 2017, Jüdisches Museum Wien, Dorotheergasse

>> Dokumentation "Elvis und das Mädchen aus Wien"

14.08.2017 - 22.30 Uhr, ORF 2

 

 

 

>> www.jwm.at

>> www.langbein-partner.com

 

 


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