Zeitzeuge Friedhelm Schmidt erzählt

 

 

Friedhelm Schmidt

 

Ich hatte am 19.05. und 20.05.2014 die Gelegenheit den Zeitzeugen Friedhelm Schmidt aus Usingen zum Thema "Elvis´ BMW 507" zu interviewen. Zunächst ein paar Fakten zur Person Friedhelm Schmidt: Lehrling bei der Firma Heinrich Gustav Wirth in Frankfurt/Main, danach Karosseriespengler in dieser Firma wo er auch für 5 bis 6 Jahre hindurch beschäftigt war und danach kündigte. Ein Jahr später kam erneut eine Anfrage der Firma Wirth ob er nicht Interesse hätte wieder für sie zu arbeiten. Herr Schmidt nahm dieses Angebot dankend an. Natürlich wurden auch die obligaten 12 Monate Bundeswehr abgedient. Danach gabs Jobs in einem Naturpark und schließlich in einem Sanatorium in Bad Homburg.

Betreffend Hobbys erzählte mir Herr Schmidt das alles bei ihm mit dem Motorradfahren (Slalom) begann. Danach folgten Rallyeeinsätze zu Walter Röhrls Zeiten als Fahrer in einem Ford Escort. Das waren noch Zeiten. So ging z.B. die Deutschland-Rallye damals noch über 1.200 Kilometer! Auch sein Sohn fuhr Rallyes auf Lancia Delta. Nach etwa 5 aktiven Jahren war aber Schluss. Danach war er u.a. Verantwortlicher für die Streckensicherung auf diversen Rennstrecken. So nebenbei erwähnt Herr Schmidt: Als das mit eurem Niki Lauda passierte war ich auch dabei. Über Nachfragen erfahre ich dass er 1976 am Nürburgring (Streckenabschnitt Hatzenbach) Dienst versah und über Funk mitbekam dass Niki Lauda verunglückte. Trotz dieser für Rennfahrer damals harten Zeiten schwärmt Herr Schmidt noch heute von der Szenerie. So war es völlig normal dass man sich im Fahrerlager frei bewegen konnte. Das eine oder andere Gespräch zu führen oder so zwischendurch ein gemeinsames Foto mit Emerson Fittipaldi zu schießen.

20.03.1959 - Elvis´ BMW 507 in Bad Nauheim, Goethestraße 14

Fotos: Berni von der Lippe

 

Zurück aber zum eigentlichen Thema. Herr Schmidt war damals bei der Übergabe des Wagens bei der Firma Wirth vor Ort! Fotos habe er leider keine gemacht. Als Lehrling hatte er dafür kein Geld. Auch besitze er keine Unterlagen oder Dokumente was den Kauf des Wagens betrifft. Eines weiß Herr Schmidt allerdings ganz genau. Der Wagen wurde definitiv von Elvis gekauft. Auch habe er gesehen dass der BMW 507 auf den Rennfahrer Hans Stuck zugelassen war. Herr Schmidt erzählt mir daraufhin für mich völlig Neues nämlich dass Hans Stuck 2 Söhne aus erster Ehe habe und der eine Sohn Hans Wilhelm Stuck bei eben dieser Firma Wirth als Kundendienstleiter beschäftigt war. Und an dieser Stelle sei erlaubt dass sich für den Schreiber dieser Zeilen folgendes Bild ergibt:

Der mehr als geschäftstüchtige Unternehmer Wirth – mehr dazu später - der laut Zeitzeugen Schmidt auch den Presseauflauf rund um Elvis inszenierte, allerdings nicht mit den Folgen rechnete (siehe Presseartikel) wusste dass Elvis an einer Isetta interessiert wäre. Der erfolgreiche Verkaufsstratege Wirth machte aber seinem prominenten Kunden einen ganz anderen Wagen schmackhaft. Nämlich den gegenständlichen weißen BMW 507 von Hans Stuck.

Presseartikel - 22.12.1958

 

Rares Innenraumfoto - Frühling 1959

 

Zur Vorgeschichte: Am 17. September 1958 wird der BMW 507 mit der Fahrgestellnummer 79145 fertiggestellt. Der Wagen ist in der Farbe japanrot lackiert und wird das neue Dienstfahrzeug von Hans Stuck. Das Fahrzeug trägt das Kennzeichen M-MJ769. Nachdem Hans Stuck sein neues Dienstfahrzeug in Empfang genommen hat, wird der weiße 507 mit der Nummer 70079 mit dem Hans Stuck 1958 die Europäische Bergmeisterschaft bestritt und dabei am 11.05. (Rossfeld), 27.07. (Schauinsland) und 31.08. bei Ollon Villars in der Schweiz jeweils Klassensiege erzielte, als Gebrauchtwagen verkauft. Im Auslieferungsbuch steht lediglich "verkauft an Wirth in Frankfurt am 12. Dezember 1958". Stucks neuer lang ersehnter Dienstwagen konnte immerhin mit einem leistungsgesteigerten Motor (165 PS) aufwarten. Vermutlich ab diesem Zeitpunkt stand der "70079" gebraucht zum Verkauf. Warum sollte er dieses Wissen nicht an Herrn Wirth oder seinen Sohn weitergeben.

BMW Verkäufer-Information 6/61 - "Die Prominenz fährt BMW"

Quelle: BMW V8 Clubarchiv

 

Bei meinem Gespräch mit Wolfgang Niefanger am 26.05.2014 kommt er auch auf das Thema Verkaufspraktiken rund um den BMW 507 zu sprechen das ich euch an dieser Stelle nicht vorenthalten möchte. Für den BMW 507 wurde seitens BMW faktisch keine Werbung gemacht. Der Wagen wurde sozusagen unter der Hand verkauft. Falls sich ein Kunde interessierte oder eine Probefahrt machen wollte wurde entweder Hans Stuck oder als 2. Mann Helmut Cap - er war Sudetendeutscher - zu den Kunden losgeschickt um den Wagen zu präsentieren. Man nannte die Beiden auch "Betreuer für prominente Kunden". Herr Cap war übrigens derjenige der von BMW München als Offizieller zur Übergabe des Wagens an Elvis ins Autohaus Wirth geschickt wurde. Vielleicht wollte man die Vater-Sohn-Achse (Stuck) nicht groß breittreten. Scheint durchaus logisch und verständlich. Laut Herrn Niefanger liegt übrigens der Marktwert eines BMW 507 heutzutage bei 1,7 Millionen Euro! Und so nebenbei erwähnt er dass er über jeden jemals gebauten BMW 507 umfangreiche Datensätze gesammelt habe.

Helmut Cap - Elvis - Heinrich Gustav Wirth

© BMW Group Archiv

 

Zeitzeuge Schmidt weiter: Die Schlüssel an Elvis wurden publikumswirksam von Uschi Siebert übergeben, damals schon bekannt als Miss Frankfurt und Miss Hessen sowie als Assistentin an der Seite von Showmaster Hans-Joachim Kulenkampf. Diese Übergabe hatte der BMW-Führung in München überhaupt nicht geschmeckt. Vor allem Helm Glöckler, der BMW-Haupthändler vor Ort, war stinkesauer, dass die Übergabe nicht in seinen Räumen, sondern bei Wirth, der ja kein offizieller BMW-Händler war, durchgeführt wurde. Wirth dagegen hat sich über den Zorn von Glöckler diebisch gefreut. Um sich ein Bild von diesem Verkaufsgenie Wirth zu machen möchte ich auf die umfangreichen Recherchen von Wolfgang Niefanger zurückgreifen:

Schlüsselübergabe durch Uschi Siebert

© BMW Group Archiv

 

Heinrich Gustav Wirth war vor dem Krieg selbstständiger Handelsvertreter in Maschinen und Motoren. Von 1943 bis 1945 war er stellvertretendes Vorstandsmitglied der Auto-Union in Chemnitz, anschließend bis September 1949 stellvertretendes Vorstandsmitglied der Auto-Union Ingolstadt. Ab Oktober 1949 war er Vertreter der Klöckner-Humbold-Deutz AG. Am 12.12.1950 wurde Herr Wirth mit einer Einzelfirma Automobilhandel in Eschbach (Kreis Usingen) ins Handelsregister eingetragen. Von dort aus erweiterte er sein Imperium stetig. Unter anderem gründete er 1954 eine Volkswagen-Vertragswerkstatt. Ferner betrieb er zeitgleich noch eine Firma „Autohaus und Autohandel“ in Frankfurt. Nicht genug, er war auch noch Geschäftsführer der Fa. MOFA (Motorfahrzeug-Vertriebsgesellschaft m.b.H), die aus der Achilles-Mopedgesellschaft hervorging. Räumlich waren diese Firmen in der Hufnagelstraße und Franken-Allee in Frankfurt am Main untergebracht. Der Vielfalt der Firmierungen wurde noch durch ein Ingenieurbüro Gustav Wirth G.m.b.H ein Sahnehäubchen aufgesetzt. Auch liegen Unterlagen vor wonach Herr Wirth im Jänner 1959 mit einer Firma "MOVILEX Autohandels G.m.b.H" eine Vielzahl seiner Firmierungen bündeln wollte.

Zurück zum Zeitzeugen Friedhelm Schmidt: Am Gelände der Firma Wirth habe er Elvis zwar nach der Übergabe nicht mehr gesichtet. Wohl aber seinen Vater Vernon Presley (siehe Foto) der den BMW noch 2 mal zur Firma Wirth zum Service brachte. Elvis habe er aber später doch noch mal getroffen. Elvis hielt sich nämlich öfters in der Gaststätte Adler in Usingen auf. Dies wusste auch Herr Schmidt. Und so gab es ein Wiedersehen in dieser leider nicht mehr existierenden Gaststätte. Zum Schluss kann Herr Schmidt noch mit einer sensationellen Nachricht aufwarten. Ich kann mich noch genau erinnern – wir schreiben mittlerweile das Jahr 1960 – dass Elvis´ BMW, mittlerweile rot lackiert, auf der fahrbaren Hebebühne mit demontierten Rädern zur Verschiffung in die USA in den Westhafen nach Frankfurt gebracht wurde. Dort soll es aber Probleme bei der Verzollung gegeben haben. Dies ist aber eher ungewöhnlich, wurde doch Hab und Gut der US-Armee Beschäftigten von und nach USA zollfrei transportiert. Erklärbar wird dies vielleicht damit, dass Elvis seinen 507 nicht sofort in die USA zurückbrachte und erst nach dem Ende seiner Militärlaufbahn daran ging den Transport zu klären. Als Nicht-Militärangehöriger musste er nun das Fahrzeug regulär überführen und auch verzollen.

Elvis´ Telefonnotizbuch - Montag, 12.01.1959 - gibt nicht nur Aufschluss darüber dass sich das Zulassungskennzeichen seines BMW 507 änderte (von A-1499 auf G-1620) sondern auch über die Kosten eines "cleaning on spraying" (420,-- Marks) die tatsächliche Umlackierung des Wagens in rot erfolgte erst später (Ende Juli/Anfang August 1959) - Fotos aus der Sammlung des "Elvis-Presley-Initiativkreises, Gelsenkirchen"

 

Sei es wie es sei. Fest steht jedenfalls dass Elvis´ BMW 507 1960 in die USA kam und bei einem New Yorker Händler als "Elvis´ Car" angeboten wurde. Der  Wagen wurde daraufhin von Tommy Charles, einer Radiopersönlichkeit und Hot-Rod Hobbyist erworben und nach Alabama gebracht. Tommy Charles ersetzte den BMW V8 durch einen Chevy Kompressor V8 samt Borg-Warner Getriebe und Chevrolet Hinterachse. Irgendwann wurde der Chevy Kompressor Motor durch einen Chevy V8 Saugmotor ersetzt. Nicht lange danach endet der 507 bei einem BMW-Händler in Atlanta wo ihn der junge Air Force Pilot Lloyd Cattle für einen Ferrari GTE samt $ 1.500,-- im Jahre 1966 eintauscht. 1968 entdeckt Jack Castor eine Kleinanzeige. Ein roter BMW 507 stand im fernen Arizona zum Verkauf. "Kommen Sie", lockte der Verkäufer am Telefon. "Wenn sie ihn nicht wollen, geht der Rückflug auf meine Rechnung". Wenig später fuhr Jack Castor seinen roten 507 nach Hause. Jack fuhr ihn bis 1973. Dann verließ ihn die Lust. Er besorgte sich zwar noch 2 BMW V8 Motoren, deren Nummern allerdings nicht passten, dazu noch ein paar Kleinteile. Weiter ist er nicht mehr gekommen. Jack legte zwar dicke Aktenordner über diesen Wagen an da ihm schon 1968 der Verkäufer wissen ließ dass er sich gerade den Ex-Elvis 507 angelte doch seither steht der Wagen in einer Blechhalle außerhalb von Half Moon Bay (eine gute Autostunde südlich von San Francisco). Mittlerweile im Zustand 5 minus. Die diesbezügliche Story gabs in der Autozeitschrift "Auto Bild Klassik" Ausgabe 1/2010. Gerne hätt ich euch Fotos aus diesem Artikel hier gezeigt nur leider blieb meine diesbezügliche Anfrage an den Verlag unbeantwortet. Umso mehr freut es mich dass – Wolfgang Niefanger sei Dank – Goetz E. Pfafflin aus den USA mir 2 Fotos für meinen Artikel zur Verfügung stellte.

Elvis´ BMW 507 bereits in den USA angekommen

Die letzte Ruhestätte für Jahrzehnte. Jack Castors Halle außerhalb von Half Moon Bay. Immerhin war Elvis´ Wagen in bester Gesellschaft. Rechts im Bild ebenfalls ein BMW 507 zu sehen mit der Fahrgestellnummer "70089". Dieser blaue 507 gehört Jack zusammen mit seinem Bruder

 

Das weitere Schicksal des Wagens ist nach wie vor unklar. Jack Castors Wunsch wäre dass er zu BMW nach Deutschland zurückkehren solle. BMW-Leute waren auch tatsächlich schon ein paar mal vor Ort in den USA um sich ein Bild zu machen. Der finanzielle Aufwand, abgesehen vom Kaufpreis, wäre wenn man die Bilder des Wagens betrachtet naturgemäß gewaltig. Eines steht jedenfals für den Schreiber dieser Zeilen fest: Es gibt keinen wertvolleren bzw. berühmteren 507.

Abschließend möchte ich ein Gerücht zerstreuen das immer wieder auf diversen Elvis-Homepages aber auch auf zahlreichen anderen Internetseiten kursiert. Es betrifft die Behauptung dass der von Elvis in Deutschland erworbene BMW 507 – mittlerweile in  den USA angekommen – Ursula Andress zum Geschenk gemacht wurde. Und zwar von niemand Geringerem als Elvis himself. Dies entspricht nicht den Tatsachen. Es gibt aber sehr wohl einen Bezug zwischen BMW 507, Elvis und Ursula Andress. Um euch nicht ganz zu verwirren hier die Geschichte dazu:

Ursula Andress mit ihrem BMW 507 - Quelle: "RM Auctions"

 

Elvis´ drehte gemeinsam mit Ursula Andress 1963 seinen 13. Spielfilm "Fun In Acapulco". Nach Beendigung der Dreharbeiten wollte Elvis ihr einen Wagen schenken. Ursula erwähnte Elvis gegenüber dass nicht ein Cadillac sondern ein BMW 507 ihren Geschmack treffen würde. Und so wurde ihr nach Kalifornien ein BMW 507 mit, wie mittlerweile bekannt, der Fahrgestellnummer 70192 geliefert. Andress liebte laut eigenen Angaben den Wagen. Fuhr ihn auch fast jeden Tag. Nach einiger Zeit verkaufte sie den 507 für $ 10.000,-- an George Barris den "King Of The Kustomizers". George pimpte damals so gut wie jeden Wagen der Hollywood Stars, wurde vor allem durch diverse Film-Autos (Batmobile, KITT, The Munster Koach, The Green Hornet, Grease Lightning, Beverly Hillbillies) berühmt und war u.a. auch zuständig für Elvis´ Fuhrpark.

Ursula Andress und Elvis bei den Dreharbeiten zu "Fun In Acapulco"

 

Danach tauchte – auch bei Auktionen – dieser BMW 507 immer wieder mit dem Zusatz "Elvis´ BMW 507" auf. So entstand eben auch dieses Gerücht. Der aktuelle Eigentümer von Ursula Andress´ BMW 507 Erich Traber aus der Schweiz erstand den Wagen schließlich 2011 bei der "Monterey Auction by RM" zum Preis von $ 1.072.500,--. Dies entspricht dem 100fachen des ursprünglich von George Barris bezahlten Preises!  

   

Lot 238 - Ursula Andress´ BMW 507 bei der "Monterey Auction by RM" - 20.08.2011 - Quelle: "RM Auctions"

 

 


zurück