Zeitzeuge Joachim Rohrseitz erzählt

 

 

Joachim Rohrseitz

 

Ich hatte am 14. August 2014 Gelegenheit mit Zeitzeugen Joachim Rohrseitz, Jahrgang 1943 aus Frankfurt, ein ausführliches Gespräch zum Thema Elvis´ BMW 507 zu führen. Herr Rohrseitz war bei der Firma Heinrich Gustav Wirth ab 1. April 1958 als Lehrling beschäftigt bis zur Auflösung des Automobilbetriebes Wirth und Übernahme mit 17. Oktober 1960 durch die Firma Autohaus Roth GmbH (Borgward Vertragshändler). Ab ca. 1966 bis 1973 war er bei der Firma VW Gruber - gelegen neben der Firma Wirth - beschäftigt. Auf dem Gelände der Firma Wirth war übrigens zuvor die "Deutsche Licenz Tatra-Automobile Betriebsgesellschaft m.b.H" angesiedelt. Danach wurde das Gelände von der Deutschen Post genutzt ehe daraus eine kleine Fiat-Vertretung wurde.

Herrn Rohrseitz sind noch viele Details erinnerlich als wäre es gestern gewesen. So gabe es 2 Meister im Betrieb. Der eine war für die BMW Autos zuständig, der andere - Herr Strunk - war der "Obermeister". Man bekam vom Meister die Arbeitskarte und schon gings ans Werk. Die Firma Wirth hatte damals um die 60 Beschäftigte. Etliche Mitarbeiter aus dem Kreis Usingen kamen immer mit einem VW-Bus. So arbeitete auch im riesigen Keller der Firma Wirth ein Meister. Dort wurden Kunststoffkarosserien gegossen für ein Fahrzeug das aussah wie der "Victoria Spatz" (siehe Foto). Auch wurden im Keller Motorfahrräder des Typs "Capri" hergestellt. "Im Keller wars damals direkt unheimlich. Es liefen ständig die Drehbänke, auch gabs 2 riesige Koksöfen. Eine Straße weiter standen "Magirus-Deutz" LKW´s und auch BMW Isettas sowie BMW 600." Die überstellte dann Herr Rohrseitz, ohne noch im Besitz eines Führerscheines zu sein, zur Firma Wirth. Auch ist ihm noch gut erinnerlich dass auf Grund der zum Schluss nicht mehr vorhandenen Kreditwürdigkeit von Herrn Wirth es Ersatzteile zu den Fahrzeugen nur mehr gegen Barzahlung gab. "Wir gingen dann für sozusagen jede Dichtung zu Fuß 10 Minuten zur Galluswarte zum BMW-Haupthändler Glöckler. Da könnte man auch nachfragen. Im Archiv der Firma Glöckler müssten noch Rechnungen für das Jahr 1959 aufliegen betreffend Elvis´ BMW 507." Es wurden zwar an Elvis´ Wagen neben dem Service keine großen Reparaturen durchgeführt aber ein Türgriff, Blinkerglas oder Außenspiegel wurde sehr wohl schon mal erneuert. Zuständig für Elvis´ BMW war ein Geselle namens Rössler. Von ihm wurden auch die Motorinspektionen ausgeführt.

Herr Rohrseitz wurde schnell der Lieblingslehrling von Herrn Wirth und genießte dadurch gewisse Privilegien. Dies rührte daher dass Herr Rohrseitz, der sozusagen um die Ecke der Firma Wirth wohnte für seinen Chef auch öfters nach den offiziellen Öffnungszeiten, u.a. auch an Wochenenden für Herrn Wirth zur Verfügung stand. Herr Wirth, der am Firmengelände eine kleine Wohnung hatte rief dann beim Lehrling zu Hause an er möge schon mal das Firmentor aufmachen. Wirth kam dann im Porsche vorgefahren. "Er liebte halt diese Show und für mich als Lehrling gabs dann auch 5 Mark Trinkgeld. Auch kam es vor dass ich am Wochenende in der Firma Autos gewaschen habe. So kam auch ein paarmal Elvis´ Vater Vernon mit dem BMW zum Waschen. Er fuhr dann über die Grube (Spritzdüsen waren unten angebracht). Die Wäsche erfolgte aber händisch samt anschließendem Abledern. Vernon wartete stets bis der Wagen fertig war." Herrn Rohrseitz ist aber noch heute erinnerlich dass Vernon stets kaugummikauend unterwegs war und andauernd spucken musste. So spuckte er auch schon mal auf den BMW vor dem Waschen. "Das war aber nicht böse gemeint. Er spuckte halt dauernd." Geld fürs Waschen nahm Herr Rohrseitz nicht entgegen. Er ist sich aus heutiger Sicht nicht mehr ganz so sicher aber er denkt dass das unter Kundenservice fiel und Vernon überhaupt nichts dafür zahlen musste.

Joachim Rohrseitz kurz vor Antritt seiner Lehrzeit

 

Eines dieser zuvor erwähnten Privilegien war jedenfalls dass Herr Rohrseitz als einziger Lehrling der Firma damals an diesem denkwürdigen 20. Dezember 1958 am Firmengelände bei der Übergabe des BMW an Elvis dabeisein durfte. "Ich wusste den Termin schon ein paar Tage im Vorhinein und konnte natürlich nicht dichthalten. Gegenüber der Firma Wirth war ein Lebensmittelgeschäft. Dort gabs ein Mädchen als Verkäuferin. Ihr hab ich verraten dass Elvis am Samstag dort sein wird. Sie gab mir einen Block damit Elvis darauf unterschreiben konnte. Ich ließ Elvis auch ein paar Seiten des Blocks unterschreiben und gab ihn natürlich wieder zurück. Bei der Übergabe war ich jedenfalls angehalten eher im Hintergrund zu bleiben. Die Übergabe erfolgte nach kurzer Ansprache unter dem festlich geschmückten Weihnachtsbaum."

20.12.1958 - 15.11 Uhr, Firma Heinrich Gustav Wirth (Elvis, Helmut Cap, Red West, Lamar Fike) - Quelle: Buch "A Date With Elvis" - Schröer, Knorr, Hentschel

 

Er selbst habe keine Fotos gemacht. Ein Kamerateam vor Ort gabs nicht. "Lediglich ein Fotograf namens Mickey Bohnacker machte jede Menge Bilder. Es gab auch kein großes Blitzlichtgewitter." Kontakt zu Mickey Bohnacker habe er übrigens zuletzt vor ca. 5 - 6 Jahren gehabt. Mickey erzählte dass er selbst keine Fotos mehr habe. Herr Rohrseitz hat nur noch ein Foto von dieser Begebenheit zu Hause das ich euch an dieser Stellte nicht vorenthalten möchte. Allerdings in keinem gerade guten Zustand.

Immerhin aber deutlich zu sehen die Blinker an Elvis´ BMW 507 die heute - neben zahlreichen anderen fehlenden Gegenständen - nicht mehr vorhanden sind

 

Auch nicht vorenthalten möchte ich euch ein Erlebnis der besonderen Art für Lehrling Rohrseitz: "Als einmal Elvis´ BMW zum Service kam öffnete ich neugierig das Handschuhfach des Wagens und entdeckte privates. Im Handschuhfach lag nämlich eine größere Anzahl von Fotos die Vera Tschechowa zeigten." Ob auch Elvis mit auf den Bildern zu sehen war weiß er heute nicht mehr.

Vera Tschechowa & Elvis

Quelle: "The Ultimate Elvis In Munich Book" von Andreas Roth

 

 

Abschließend ein großes Dankeschön an Herrn Joachim Rohrseitz dass Sie uns teilhaben ließen an Ihren Erinnerungen zum Thema "Elvis´ BMW 507".

 

 


zurück